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Zum Erntestadt in Westdeutschland werden Überdurchschnittliche Erträge erwartet
Im Südwesten und Westen Deutschlands dreschen Landwirte erste Wintergerste, und das meist mit quantitativ und qualitativ guten Ergebnissen. In Südeuropa wird die Ernte hingegen schlechter ausfallen.
Mit der in dieser Woche erwarteten Abkühlung und häufigen Niederschlägen kann es allerdings immer wieder zu Ernteunterbrechungen kommen.
So kommt es darauf an, entsprechende Lücken zur Ernte nutzen können, schon jetzt ist es in einigen Gebieten schwierig, Gerste mit Feuchtegehalten unter 15 Prozent einzubringen. In Deutschland erwarten die Landwirte bei den Winterungen durchschnittliche bis überdurchschnittliche Erträge. Im kalten Winter mineralisierte nur wenig Stickstoff, der dann den Pflanzen im Frühjahr zur Verfügung stand.
Andererseits kann vielerorts beim Starkregen im Mai und Juni noch einiges an Nährstoffen ausgewaschen worden sein. Um aber die Qualitäten abzuschätzen, ist es im Moment noch zu früh. Die Sommerungen dagegen sind im trockenen April nur zögerlich aufgegangen und konnten meist nicht zu Vollerträgen heranreifen. Insbesondere bei Hafer rechnen viele mit Mindererträgen.
Schlechte Ernte in Südeuropa
In Südeuropa dagegen erzielen die Landwirte weder qualitativ noch quantitativ zufriedenstellende Ernteergebnisse, und bleiben damit auch unter den zuletzt noch positiveren Erwartungen. Die Trockenheit im Frühjahr und die danach folgenden Starkniederschläge führen zunächst zu geringen Kornansätzen und nun zu geringen Rohproteingehalten. Insbesondere in Italien bleibt die Weizenernte unter den Erwartungen, die Rohproteingehalte überschreiten selten 11,5 Prozent. Ware von dort erreicht daher bislang die Mischfutterwerke.
In Rumänien fällt die Ernte deutlich kleiner als 2008 - um wie viel kleiner ist sehr unterschiedlich in den einzelnen Gebieten und noch nicht zu beurteilen. Zum Teil entscheiden sich die Landwirte das Getreide einzulagern, wenn sie entsprechend liquide sind. Andere müssen im August ihre Pachten zahlen und entscheiden bis dann in welchen Absatzkanal das Bio-Getreide fließt: Versand nach Westeuropa oder Verkauf auf heimischem konventionellen Getreidemarkt.
Start der Haupternte in Ungarn und Slowakei
In Ungarn und der Slowakei beginnt die Haupternte in dieser voraussichtlich sehr unbeständigen Woche. Auch von dort sind nicht die in anderen Jahren üblichen proteinreichen Partien zu erwarten. Schwache Ernten werden auch bei den Sommerungen in Osteuropa – in EU- und Nicht-EU-Ländernerwartet. Nicht nur die Trockenheit selbst schädigte die Bestände von Mais, Sonnenblumen, Leguminosen und Sommergetreide, vor allem fehlte im Frühjahr in Folge der Finanzkrise häufig das Kapital um das Saatgut zu bezahlen. Für einige südosteuropäischen Händler scheint neben den qualitativen Enttäuschungen das Preisniveau in Westeuropa überraschend. Bei Frachtkosten von 60- 90 EUR/t plus Zertifizierungskosten kann sich der Versand nach Westeuropa nicht mehr lohnen, jedenfalls nicht in dem Umfang wie in den vergangenen Jahren.
Nordeuropäier erwarten gute Erträge
Im Gegensatz zu Südeuropa erwarten die Landwirte in Nordeuropa sehr gute Ernten, sowohl von der Menge als auch den Qualitäten her. Aus Schweden beispielsweise könnten sich die Mühlen mit proteinreicherem Sommerweizen versorgen. Auch die Haferbestände stehen sowohl in Finnland als auch in Schweden ausgezeichnet und lassen auf eine gute Ernte hoffen Wie bei uns, halten sich die Skandinavier mit Abschlüssen zurück und warten die Ernte ab.
Noch wenig Kaufinteresse bei Mühlen
Noch zeigen Mühlen und Verarbeiter wenig Kaufinteresse. Allerdings zeichnet sich ab, dass in diesem Jahr weniger hochwertiges Getreide aus Süd- und Osteuropa zugekauft werden kann. Das gibt heimischen Landwirten gute Chancen, entsprechende Aufschläge für gute Qualitäten zu erzielen. Auch bei durchschnittlicher bis überdurchschnittlicher heimischer Ernte gibt es damit weniger Anlass zu weiteren Preisrücknahmen, im Gegenteil, gute Qualitäten könnten wieder entsprechende Aufschläge erzielen.
Nur wenig Erträge an Kontrakte gebunden
Immer noch wird sehr wenig über Preise gesprochen und nur ein sehr geringer Teil der neuen Ernte ist in Kontrakten gebunden. Selbst im Stammkundengeschäft werden meist nur Mengen und keine Preise festgelegt, zu unterschiedlich sind die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern. Seit Mitte Juni haben sich die Preise kaum geändert. Viele Mühlen berichten von guter Deckung für mindestens noch zwei Monate und warten die Ernteergebnisse ab. Nun verbreitet sich aber doch gewisse Unruhe, und Restbestände alterntiger Ware wecken wieder Interesse. Immer noch tauchen diese aus den unterschiedlichsten Richtungen auf. Insbesondere handelt es sich um Roggen, schwachen Weizen und Hafer.
Aus dem konventionellen Markt kommen nach dem Preisanstieg im Mai bis Mitte Juni jetzt eher stagnierende bis sinkende Impulse in die Preisentwicklung. Die Aussicht auf eine gute Weizenernte in Mitteleuropa und den USA ist dafür ausschlaggebend. Für den Bio- Markt bleibt noch abzuwarten, welche Entwicklung größeren Einfluss nimmt, der konventionelle Markt oder die enttäuschende osteuropäische Ernte. Auch die Mischfutterhersteller zeigen bislang noch wenig Interesse an Kontrakten über die neue Ernte.
Für Leguminosen noch keine Preise bekannt
Nichtsdestotrotz finden erste italienische oder rumänische Partien Gerste oder Weizen ihre Abnehmer. Die Nachfrage bleibt insbesondere bei Geflügelfutter stabil. Die großen Schweineerzeuger setzen stärker auf unabhängige Futterversorgung, die benötigte Menge nimmt aber mit steigenden Schlachtungen langsam zu. Die heimischen Leguminosen haben ähnlich wie das Sommergetreide unter der Trockenheit im Frühjahr gelitten. Einige Bestände sind nur spärlich aufgelaufen, andere sind von Läusen befallen. Bislang nennt niemand Preise für Leguminosen, Kontrakte wurden bislang keine geschlossen. Allerdings lagern auch hiervon noch einige Partien alterntiger Ware.
geschrieben am 08.07.2009 um 06:42.
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