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Marktberichte

Grainexx Marktbericht 24/2011

Sollten wir jemals behauptet haben, dass diese Märkte eine Achterbahnfahrt sind, war die letzte Woche ein erneut sehr gutes Beispiel dafür. Allerdings konnte man nicht erwarten, dass die jeweiligen „Berge und Täler“ dieser Achterbahn so immens groß sind. Mittlerweile hat der Braugerstenmarkt die Euro 60,-/Tonne, die in der zweiten Hälfte Mai 2011 dazu gewonnen wurden, wieder komplett verloren und wir befinden uns heute auf dem Preisniveau von Mitte Mai 2011. Weiterhin fallen die Preise, ohne dass sie auf eine Unterstützungslinie, ausgelöst durch Käufe der Malz- oder Brauindustrie, treffen. Lediglich sporadisch kommt es zu Geschäften zwischen Handelshäusern. Allerdings ist in den letzten Tagen festzustellen, dass das Interesse, aktuelle Preise abzufragen, von Brauereiseite wieder etwas größer geworden ist, und es ist durchaus vorstellbar, dass dieser starke Preisverfall und das nun deutlich schwächere Preisniveau nun auch genützt werden könnten, um die jeweilige Deckung weiter zu vergrößern.

Der starke Rückgang der Preise in den letzten Wochen war nicht etwa auf eine bessere Lage am Braugerstenmarkt zurück zu führen.
Die Aufhebung des Exportstopps in Russland zum 1. Juli, sowie gute Aussichten für die Ernten in der Schwarzmeerregion generell führen derzeit zu einer deutlichen Anpassung der EU-Getreidepreise an die Preise dieser Region. Noch immer ist beispielsweise Futtergerste FOB Seehafen in der EU um Euro 20,-/Tonne teurer als FOB ukrainischer Seehafen.

Allerdings muss man feststellen, dass der Markt dabei jedoch die Versorgungsproblematik bei Weizen, Mais, und auch Gerste international vollständig ausblendet. Im letzten USDA Bericht wurden sowohl die europäische Weizenernte, als auch die weltweiten Endbestände bei Mais drastisch nach unten korrigiert. Dies wurde für die EU-Getreideernte auch nochmals eindrucksvoll vom Analystenhaus Stratégie Grains gestern bestätigt: EU-27 gesamte Getreideernte 275,7 Mio. Tonnen gegenüber Maischätzung 284,7 Mio. Tonnen und 274,2 Mio. Tonnen in 2010.
Davon:
Weizen 125,6 Mio. Tonnen (gegenüber 131,5 Mio. Tonnen; 126,6 Mio. Tonnen)
Gerste 52,2 Mio. Tonnen (gegenüber 54,2 Mio. Tonnen; 53,1 Mio. Tonnen)
Lediglich die Maisernte ist mit 59 Mio. Tonnen deutlich höher geschätzt worden als im vergangenen Jahr. Besonders unverständlich ist die scharfe Korrektur nach unten derzeit an den Leitbörsen Chicago und MATIF. Insbesondere bei Corn, wo das USDA extrem niedrige Endbestände in der kommenden Saison vorhergesagt hat, verstehen die Marktteilnehmer nicht, warum die Märkte seit einem Tag nach Veröffentlichung des Berichts nur noch einen Weg kennen: Nach unten. Offensichtlich sind auch bereits wieder „Finanzexperten“ am Werk, die den gut gemeinten Ratschlag geben, so schnell wie möglich aus Agro-Commodities auszusteigen. Wir halten diese Entwicklung für gefährlich, denn gerade die Entwicklung im März hat gezeigt, dass die Gegenbewegung dann umso härter ausfällt.

Leider haben anhaltende Regenfälle in Frankreich (die zu keinen qualitativen oder quantitativen Verbesserungen mehr beitragen) den Fortgang der Wintergerstenernte leicht verzögert. Daher liegen uns auch keine großartig neueren Erkenntnisse über Erträge und Qualitäten vor. Man kann jedoch feststellen, dass die bisher geernteten Partien in der Region südlich von Paris ein eher heterogenes Bild aufzeigen. Unstrittig ist ein Ertragsverlust von circa 15 bis 20% gegenüber dem Vorjahr. Betreffend der Sortierungen gibt es unterschiedliche Ergebnisse, die zwischen 50 bis 60% liegen, damit also auch schlechter als im Vorjahr. Überraschenderweise scheint Protein doch kein so großes Problem zu sein, die Eiweißgehalte liegen allerseits zwischen 11 und 11,5%, andererseits gibt es aber auch vermehrt Ausreißer zwischen 12,5 und 13,5%.

Es ist sicherlich sinnvoll, zunächst einmal die gesamte Ernte abzuwarten, bevor man sie quantitativ und qualitativ richtig bewerten kann und dann fundamentale Schlüsse daraus zieht. Allerdings haben wir vermehrt darauf hingewiesen, dass „Brüche“ im Markt dazu genutzt werden sollten, die Deckung zu vergrößern. Dieser Meinung sind wir unverändert noch immer, gerade auf diesem jetzt niedrigen Preisniveau.

Zur Info einige zuletzt gehandelte Kurse bzw. zuletzt genannte Offerte:
Sommergerste 2011 FOB Creil Basis Juli 2011 Euro 270,-/Tonne (nominal)
FOB Mosel Basis Juli 2011 Euro 280,-/Tonne (Verkäuferpreise, zuletzt gehandelter Kurs gestern mit Euro 283,-/Tonne)
FOB Dänemark Basis Oktober 2011 Euro 270,-/Tonne (offerierter Preis, einige sprechen bereits von Euro 265,-/Tonne)
FOB UK Euro 270,-/Tonne (absolut nominal dieser Preis, da der UK-Markt bereits seit zwei Wochen nicht mehr diskutiert wird)
Franko Bayern Basis Oktober 2011 Euro 294,-/Tonne (zuletzt gehandelter Preis)
Franko Oberrhein Euro 285,-/Tonne (nomineller Preis)

Wir wünschen ein schönes und geruhsames Wochenende in diesen verrückten Märkten und eine erfolgreiche Woche.

geschrieben von Grainexx am 17.06.2011 um 15:52.


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