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Marktberichte

Grainexx Marktbericht 51/2011

Die europäischen Wirtschafts- und Finanzdaten zeigten sich mal wieder von ihrer depressiven Seite in der letzten Woche. Weitere Angriffe von Ratingagenturen gegen einzelne europäische Staaten oder aber auch gleich die ganze Eurozone stehen auf der Tagesordnung. Die ursprünglich mal vom EU-Gipfel versucht zu verbreitende Zuversicht ist leider bereits wieder verflogen… die meisten europäischen Aktienmärkte waren in der letzten Woche auf Talfahrt und der Euro notierte auf einem 11-Monatstief unter 1,30. Selbst der sichere Hafen Gold verlor knapp 9%.

Heute ist eine leichte Erholung an den Aktienmärkten zu sehen und der Dollar notiert um 1,30. Von einer Jahresendrally kann aber offensichtlich dieses Jahr keine Rede sein.
Die internationalen Getreidemärkte in Chicago zeigen sich in ihrer Nacht-Session überwiegend fester und MATIF Januar kann doch überraschend um 4 Euro/Tonne zulegen.

Neues vom internationen/europäischen Getreidemarkt:

  • Wetter: Gutes Erntewetter bei trockenen Bedingungen half die Weizen- und Gerstenernte in Südamerika weiter zügig voranzubringen, während Regenfälle immer noch zu empfindlichen Verzögerungen in Australien führen (Qualitätsprobleme).


  • Ägypten war wieder am Weizenmarkt aktiv. Die GASC kaufte 180.000 Tonnen Weizen, gleichmäßig aufgeteilt in jeweils 60.000 Tonnen von Russland, Argentinien und zum ersten Mal überraschend Frankreich (dem niedrigen Euro geschuldet). Abwicklungszeitraum für dieses Geschäft ist Anfang März 2012.


  • Interessant ist es, ein paar Zahlen zu vergleichen: Eben im 30. Juni 2011 abgelaufenen Fiskaljahr hatte GASC 5,58 Mio. Tonnen Weizen gekauft – Ursprung Schwarzmeer war nicht dabei.
    Bis jetzt hat die GASC im laufenden Fiskaljahr insgesamt 3,8 Mio. Tonnen Weizen gekauft – 3 Mio. Tonnen aus Russland, 300.000 Tonnen aus der Ukraine, 120.000 Tonnen aus Kasachstan und 240.000 Tonnen aus Argentinien.
    Wir gehen davon aus, dass Argentinien weiterhin ein wichtiger Ursprung für Ägypten in den nächsten Monaten bleiben wird.


  • Wie viel Argentinien bei Weizen tatsächlich ernten wird, ist immer noch nicht ganz klar. Die konservativste Prognose stammt vom Landwirtschaftsministerium bei 12 Mio. Tonnen, und führt über die Vorhersage der Buenos Aires Grain Exchange von 13,6 Mio. Tonnen zu der am höchsten angesiedelten Prognose des amerikanischen USDA mit 14,4 Mio. Tonnen. Fakt ist allerdings, es wird genügend Weizen aus Argentinien geben, sodass der Export auch aggressiv bedient werden kann.


  • Die Credit Agricole verabschiedet sich aus dem Commodity Trading. Dies hat sicherlich zu einigen Positionsauflösungen in Chicago geführt und ist offensichtlich ursächlich für den Verlust von circa 15 Cents/Bushel in der letzten Woche verantwortlich.


  • Händler und Landwirte in der Schwarzmeerregion ziehen sich nun vom Markt zurück in eine längere Weihnachtspause, die aufgrund der dortigen Feiertagssituation bis Mitte Januar andauern wird.


  • Der staatliche französische Wetterdienst meldete, dass es sich bei der diesjährigen Periode September bis November um die zweitwärmste seit 1900 gehandelt habe.


  • Zu Besorgnis gibt weiterhin die Bestandssituation in der Ukraine Anlass. Lediglich 27% der dort aufgelaufenen Bestände werden als sehr gut/gut bezeichnet.


  • In Kanada gehen die Diskussionen um die Monopolstellung des Canadian Wheat Board (CWB) weiter. Die Regierung hat nun alle parlamentarischen Hürden zur Abschaffung dieses 68 Jahre alten Monopols geschafft. Allerdings sind einige Bauernverbände sowie Lokalpolitiker momentan dabei, gerichtlich dagegen vorzugehen und die Entscheidung entweder zu stoppen oder weiter zu verzögern.


  • Die weitere Entwicklung ist relativ wichtig für die Weltmärkte. Das als Folge der großen Wirtschaftskrise damals gegründete CWB exportiert derzeit 21 Mio. Tonnen Getreide an Kunden in 70 Ländern. Hauptexportartikel sind Sommerweizen, Durum und Braugerste.

  • Stratégie Grains kam mit ersten Zahlen für die Getreideernte 2012. Man geht beim Weizen von einem weiteren Anstieg auf 133,5 Mio. Tonnen (gegenüber 129,3 Mio. Tonnen in 2011) aus. Bei Gerste glauben die Analysten an eine Ernte von 54,5 Mio. Tonnen (gegenüber 52,1 Mio. Tonnen in diesem Jahr). Die Gesamtgetreideernte veranschlagt Stratégie Grains auf 290 Mio. Tonnen 8das sind 6 Mio. Tonnen mehr als in diesem Jahr).


  • Das ist natürlich eine mutige Prognose zum derzeitigen Zeitpunkt, ist aber zumindest schon mal eine „Arbeitszahl“, mit der man in den nächsten Wochen/Monaten weiterarbeiten kann.


  • Australien und Argentinien werden sich auch bei der Futtergerste um den Hauptmarkt Saudi Arabien streiten, derzeit billigster Ursprung für CIF Saudi ist Australien mit 265 USD/Tonne CIF.


  • China wird aller Wahrscheinlichkeit nach im ersten Halbjahr 2012 keine weiteren Maisimporte durchführen. Die Begründung liegt einerseits in einer eigenen Rekordernte von 191,75 Mio. Tonnen (ein bemerkenswerter Anstieg von 8,2% im Jahresvergleich!), andererseits auch durch abnehmende Inflationsängste.


  • Generell tendierend die Getreidemärkte im Augenblick überwiegend bearisch. Dies ist insbesondere in der sehr reichlichen Versorgung mit Weizen aus allen Ursprüngen begründet. Eine Änderung dieses Trends könnte sich mit dem Januarbericht des USDA ergeben, wenn erneut bei Mais die Exportzahlen, Ethanolproduktion, sowie eine Ertragsschätzung abgegeben werden.

    Wir dürfen nicht vergessen: Es ist immer noch das wichtigste Futter-/Energiegetreide…

    Unser lieber Braugerstenmarkt:

  • Für den absoluten Schocker der Woche sorgte das Komitee der dänischen Börse mit der Verlängerung der Keimruhe bis zum 15. Januar 2012. Wir haben das hier zunächst für einen Scherz (wenn auch einen nicht ganz so guten) gehalten. Die Tatsache, dass es nun mal leider stimmt, führt zu einer weiteren großen Verunsicherung der Märkte. Planungen zur Abwicklung müssen teilweise wieder umgestellt werden, und für Januarlieferungen andere Ursprünge herangezogen werden – England oder auch schon Argentinien?

    Die letzten Abwicklungen, die wir gesehen haben, zeigen uns, dass die Keimenergie mehrheitlich um 95% liegt (94 bis 96%). Dabei hören wir auch von Laboren, dass es sich dabei nicht mehr um eine Keimruhe handelt, sondern die Ware schlichtweg jetzt schon so schlecht keimt – was passiert dann im Februar/März damit? Damit ist es erneut äußerst fraglich, welcher tatsächliche Exportüberschuss nun aus Dänemark/Schweden zu erwarten ist ??


  • Die Ernte in Argentinien geht nach unseren Informationen quantitativ wie auch qualitativ gut und zügig voran, etwa 50% sollen geerntet sein, ein großer Teil folgt noch bei guten Wetteraussichten in dieser Woche.

    Erste Verladungen könnten bereits im Dezember/Ankunft Januar 2012 erfolgen, die Frage, wer wieviele Importlizenzen bekommt, ist noch unklar. Wir gehen allerdings davon aus, dass von den 307.000 Tonnen zur Verfügung stehender Lizenzen ein Großteil auf Braugerste entfallen wird. Allerdings darf man auch nicht das Geschäft mit 3.000 Tonnen-Schiffe vergessen, die regelmäßig von der Ukraine/Russland nach Griechenland, Spanien und Portugal exportiert werden.

    Gleichzeitig hören wir mehr und mehr, dass IMEX-Verfahren stärker in Betracht gezogen werden.


  • Überall, wo es in Frankreich zur Abwicklung kommt, gibt es auch Diskussionen: Hier wird mittlerweile auf genaue Kontraktauslegung geachtet, dabei wird auf die großen Preisunterschiede, aber auch auf die genau festgelegten Qualitätsspezifikationen hingewiesen. Wir gehen davon aus, dass insbesondere auf die Parität FOB Mosel die Zahl der Rückhandelsgeschäfte nach den Weihnachts- bzw. Neujahrstagen stark ansteigen wird.


  • Im Allgemeinen bleiben wir bei der festen Bewertung für den Braugerstenmarkt, da wir überzeugt sind, dass trotz Import argentinischer Ware (diese Mengen schließen eine wichtige Lücke, mehr aber auch nicht) die Angebots- und Nachfragesituation bei guter Braugerste angespannt bleiben wird.

    Momentan tut sich am Markt nicht viel. Dies gilt nicht nur für die problematische Saison 2011, sondern auch für die beiden kommenden Ernten 2012 und 2013.

    Sommergerste
    E 11 Preis Kommentar
    FOB Creil Basis Juli 255 € gehandelt
    FOB Mosel Basis Juli 259 € nominal
    FOB DK Basis Januar 229 € nominal
    FOB England Basis Januar 250 € nominal
    franko Bayern Basis Januar 255 € Verkäufer
    franko Oberrhein Basis Januar 260 € nominal

    E 12 Preis Kommentar
    Basis Juli 225 € nominal
    Basis Juli 230 € Verkäufer
    Basis Oktober 216 € nominal
    Basis Oktober 218 € gehandelt
    Basis Oktober 240 € nominal
    Basis Oktober 243 € nominal

    Genießen Sie alle eine letzte arbeitsreiche Woche, bevor wir uns hoffentlich bei ein paar besinnlichen Tagen von den Irrungen und Wirrungen der letzten Monate erholen können.

    geschrieben von Grainexx Getreidehandels GmbH am 19.12.2011 um 20:41.


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