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Marktberichte
Erneuter Rückgang der Braugerstenflächen zur Ernte 2010 um 10 bis 15%
Für den Braugerstenmarkt wir es spätestens im Jahr 2011 wieder spannende. Für das kommende Jahr ist der Bedarf der Mälzereien EU-weit gut gesichert. Das hat Mareike Eckmann vom Hamburger Handelshaus Alfred C. Toepfer auf dem 38. Internationalen Braugerstenseminar der VLB am 13. Oktober 2009 in Berlin betont. Für 2011 wird befürchtet, dass sich wieder eine ähnliche Marktsituation wie 2006/07 einstellen könnte. Damals waren die Getriedepreise um über 100% gestiegen.
Der Bedarf an Braugerste liege in den 27 EU-Ländern bei 9,7 Mio. Tonnen. Zur Verfügung stehe den Mälzereien jedoch aus den guten Ernten 2009 und überschüssigen Beständen rechnerisch ein Angebot von 13.2 Mio. Tonnen, erklärte Eckmann. Die theoretisch verfügbare Menge setzt sich aus 10,2 Mio. Tonnen Sommerbraugerste sowie 3 Mio. Tonnen Winterbraugerste zusammen. Das Überangebot von 3,5 Mio. Tonnen dürfte zu verstärkten Exportbemühungen führen, die wegen einer weltweiten Überschusssituation allerdings nur begrenzten Erfolg haben dürften. Zunehmen werde daher voraussichtlich die Menge, die in die Ernte 2010 überlagert werde; sie werde voraussichtlich den Bedarf von drei Monaten decken können.
Zum Marktausgleich wird außerdem in ungünstig gelegenen Regionen braufähige Gerste in die Intervention und die Verfütterung fließen. An den Warenterminmärkten seien daher schon ab dem vergangenen Sommer die Braugerstenpreise sowohl für die Ernte 2009 als auch für 2010 unter die Weizenpreise gefallen.
Besonders schwierig entwickelt sich der Markt für die Winterbraugerste. Für dieses gibt es praktisch keine Marktlücke mehr, da es bei der aktuellen Situation kaum noch Sinn macht, diese einzusetzen. Angesichts derzeit negativer landwirtschaftlicher Deckungsbeiträge besonders für Winter- aber auch für Sommergerste sowie fehlender Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Anbau von Winterweizen, Winterraps und vor allem Biogas-Mais rechnete Eckmann mit erneut rückläufigen Braugerstenflächen 2010. Dies gelte sowohl weltweit als auch für die EU; für letztere rechnet die Händlerin mit einem Rückgang des Anbaues in der Ernte 2010 um weitere 10% bis 15%. Wegen der Mitnahme von drei Monatsmengen aus der Ernte 2009 bleibe die Deckung dennoch knapp gesichert – vorausgesetzt es gibt nicht wieder extreme Bedingungen und nur unter der Voraussetzung von Durchschnittserträgen und -qualitäten. An Impulsen für eine Anbauausweitung zur Ernte 2011 fehlt es indes völlig.
Wegen fehlender Bestände 2011 könne es bei einer mäßigen Ernte jedoch sehr schnell knapp werden und eine Marktsituation wie 2006/07 eintreten. Erinnerungen an diese Jahre erlaubte eine Vorstellung, wie volatil die Märkte 2011 gegebenenfalls reagieren könnten. 2006/07 kam es in Folge weltweiter Schwierigkeiten auf den Getreidemärkten zu einem Anstieg der Preise von über 100%. Weltweit ist auf den Gerstenmärkten im Wirtschaftsjahr 2010/11 ohnehin mit einer Unterversorgung zu rechnen, wie die Expertin weiter ausführte. Einer reduzierten Produktion von 137 Mio. Tonnen steht demnach ein Bedarf für die Verfütterung von 99,5 Mio. Tonnen sowie für die industrielle Verwertung, einschließlich Vermälzung, von 45,0 Mio. Tonnen gegenüber.
geschrieben am 20.10.2009 um 04:49.