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CORONA: Die Bier-Kampagne zum Sommerwetter

Die US-Kampagne für die führende mexikanische Importmarke ist ein Phänomen. Sie folgt seit über 10 Jahren dem gleichen Konzept, ignoriert alle Trends und ist eigentlich eintönig. Die Spots spielen fast immer am Meer und zeigen neben der Schönheit der Natur ganz einfache Handlungen, die betont ruhig und gemächlich in Szene gesetzt werden. Die meisten Motive sind mit einer einzigen Kamera-Einstellung aufgenommen, wobei der Blick fast immer vom Strand auf das tiefblaue Meer geht. Veränderung gibt es nur durch langsames Zoomen oder einen ebenso langsamen Schwenk. Darsteller ist meist ein Paar, das nur teilweise oder von hinten zu sehen ist und deren Aktivitäten sich auf einige wenige Bewegungen beschränken.



Da sich der Handlungsablauf über die gesamten 30s erstreckt, wirken die Spots fast wie ein Stillife, obwohl sie eine kleine Geschichte erzählen. Darin liegt sicherlich das Geheimnis, warum diese Kampagne so überaus erfolgreich ist, obwohl die Spots auf den ersten Blick langweilig wirken. Gerade deshalb fallen sie zwischen den ganzen skurrilen und überdrehten Bier-Kampagnen mit ihren hektischen Bildern, Slapsticks, schnellen Schnitten und plakativem Humor besonders auf. Sie bilden den ruhenden Pol eines jeden Werbeblocks und das sichert ihnen eine hohe Aufmerksamkeit und gute Recall-Werte, denn mittlerweile verbinden die meisten Zuschauer die Strand-Szenen mit der Marke Corona. Zudem bieten die Spots auf ihre ganz eigene Art einen subtilen, leisen Humor.

Nach dem alten britischen Motto "Never change a winning team" sitzt unser Paar auch in den neusten Spots der Staffel 2010 wieder in ihren Strandstühlen, zwischen ihnen der obligatorische Tisch mit zwei Flaschen Corona. In diesem Standard-Setting erleben wir die klassischen Spannungen zwischen den Geschlechtern aus beiden Blickwinkeln. Im ersten Spot schaut der Mann drei jungen Mädchen nach, was ihm einen strafenden Blick seiner Partnerin einbringt. Er betraft sich sicherheitshalber selber, indem er seine Sonnenbrille absetzt, die Zitrone vom Hals seiner Corona-Flasche nimmt und sich damit ins Auge spritzt. Bei der zweiten Geschichte schaut die Frau einem durchtrainierten Mann mit nacktem Oberkörper nach, der vor Ihnen vorbei geht. Während sie ihm noch hinterher starrt, nimmt ihr Partner ihre Flasche aus dem Kühler, schüttelt sie kräftig und stellt sie wieder zurück. Die Frau beweist allerdings weibliche Intuition und greift nach der anderen Flasche.



Das Bemerkenswerte an diesen Spots ist neben der minimalistischen Handlung, dass wir die Gedanken und Emotionen der Protagonisten erahnen, obwohl wir sie nur von hinten und ihre Gesichter allenfalls im Profil sehen. Die Spots spielen mit unserer Phantasie und erzeugen einen Teil der Handlung nur in unserer Vorstellung.

geschrieben am 21.07.2010 um 21:53.


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