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Braugerste vor erneutem Flächenrückgang

Nach jahrelang rückläufiger Tendenz war der Braugersteanbau in Niedersachsen 2008 kräftig ausgedehnt worden. Bei den derzeitigen Preisverhältnissen ist die Braugersteerzeugung jedoch kaum wettbewerbsfähig gegenüber anderen Kulturen.

Wenn hinreichend attraktive Vertragsangebote ausbleiben, wird der Braugersteanbau wohl wieder zurückpendeln, heißt es in einer Meldung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Bei einem Bierausstoß von zirka 100 Millionen Hektoliter im Jahr gibt es in Deutschland einen Braugerstebedarf von knapp 2 Millionen Tonnen. In Niedersachsen könnten davon unter größeren jährlichen Schwankungen nur maximal 120.000 bis 180.000 t erzeugt werden. Der Bedarf der norddeutschen Mälzereien und Brauereien muss zu mehr als 50 Prozent durch überregionale Zufuhren gedeckt werden. In Normaljahren kommen dafür neben Lieferungen aus Süd- und Ostdeutschland in erster Linie skandinavische Herkünfte, insbesondere aus Dänemark oder auch Braugerste aus Frankreich und Großbritannien in Frage.Die in Nordeuropa und auch auf den britischen Inseln sehr verregnete Ernte 2008 brachte allerdings so starke Qualitätsbeeinträchtigungen, dass in dieser Saison von dort keine bedeutenden Lieferungen zu erwarten sind.

Braugerstenpreise in den vergangenen Monaten eingebrochen

Auch hierzulande wurden die geforderten Qualitätsparameter oft nicht erreicht. In einigen Regionen blieb nur 40 Prozent der geernteten Braugerste unter dem Schwellenwert von 11,5 Prozent Protein. Auch wenn zum Teil Zugeständnisse mit bestimmten Abzügen gemacht werden, ist das marktfähige Aufkommen letztlich weniger groß als zunächst auf Grund der Anbauflächenausdehnung und der guten Erträge anzunehmen war. Im Zuge des allgemeinen Preisverfalls von Getreide im zweiten Halbjahr 2008 sind hier dennoch auch die Braugerstenpreise in den vergangenen Monaten eingebrochen. Während im Frühjahr 2008 noch Verträge zu 265 Euro/t frei Lager angeboten wurden, bieten Erfasser im Januar meist weniger als 150 Euro/t. In Relation zu einem in marktfernen Regionen inzwischen auf Interventionsniveau (102,69 Euro/t im Januar) abgesunkenen Futtergerstepreis könnte ein Braugerstepreis von 150 Euro/t momentan sogar noch als überdurchschnittlich bezeichnet werden, wenn man davon ausgeht, dass der Braugerstepreis im Bundesmittel von 2001/02 bis 2007/08 um etwa 33 Euro/t über dem jeweiligen Futtergerstepreis lag. Von 2003/04 bis 2005/06 betrug die Differenz sogar nur 14 bis 17 Euro/t.

Durch starke Preisschwankungen weniger feste Vereinbarungen

Wozu ein bei weitem nicht ausreichender Erlösvorteil führt, hätten die vergangenen Jahre allerdings sehr eindeutig gezeigt: der Braugersteanbau ging stark zurück. Erst als nach der Ernte 2006 die Notierungen anzogen und auch der Preisvorteil der Braugerste gegenüber der Futtergerste kräftig anstieg, wurde auch der Sommergersteanbau wieder ausgedehnt, nachdem er jahrelang rückläufig war. Dass die Sommergerstefläche erst zur Ernte 2008 wieder zulegte, lag im Wesentlichen daran, dass Braugerste erst während des Frühjahrs 2007 wieder wirklich lukrativ wurde. Das Preissignal kam somit für den Anbau zur Ernte 2007 zu spät. Auf Grund der enormen Preisschwankungen der vergangenen beiden Jahre hat die Bereitschaft, Monate im Voraus Verträge mit festen Preisvereinbarungen zu schließen, stark abgenommen.

Anbau ab Futtergerstepreis von weniger als etwa 115 Euro/t überlegenswert

Eine gewisse Orientierung können derzeit süddeutsche Großhandelsnotierungen geben. Ende Januar wurde für Braugerste franko Oberrhein nominell 155 bis 160 Euro/t ex Ernte beziehungsweise 173 bis 175 Euro/t für Oktober 2009 notiert. Daraus könnte sich eine Erzeugerpreiserwartung von etwa 145 bis 155 Euro/t bei Erntelieferung frei Lager und Zahlungsziel 1. Oktober ableiten. Auf Braugerste zu setzen wäre unter dieser Maßgabe dann überlegenswert, wenn gleichzeitig mit einem Futtergerstepreis von weniger als etwa 115 Euro/t frei Lager zur Ernte 2009 gerechnet wird. Nach einer Bodenbildung liegt der Futtergerstepreis auf Erzeugerebene inzwischen wieder bei etwa 105 bis 115 Euro/t. In Anlehnung an die Weizenterminkurse wäre aus heutiger Sicht mit Futtergerste-Erzeugerpreisen zur Ernte von etwa 120 bis 130 Euro/t zu rechnen. Demnach müsste der Braugerstepreis zur Ernte mindestens bei 160 bis 170 Euro/t liegen, wenn man von einem erforderlichen Vorteil von 40 Euro/t ausgeht.

Anbaufläche wie zur Ernte 2008 wird nicht mehr erreicht

Die in Niedersachsen von 48.400 ha (2007) auf 63.800 ha (plus 32 Prozent) zur Ernte 2008 gestiegene Sommergerstefläche wird in 2009 im Normalfall wahrscheinlich nicht wieder erreicht. Wenn hinreichend attraktive Vertragsangebote ausbleiben, wird jedenfalls der Braugersteanbau wieder zurückpendeln. Bei nachgebenden N-Düngerpreisen rechnet sich auch wieder eher eine Ausdüngung zu Futtergerste mit höherem Ertrag. Wegen des seit einigen Wochen wieder fester tendierenden Futtergetreidemarkts ist außerdem eher eine weitere Bevorzugung von Mais gegenüber Sommergerste zu erwarten.

geschrieben am 03.02.2009 um 10:17.


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